Briefkurs

Zu den wichtigsten Fachbegriffen, die man bei Wertpapier- und Devisengeschäften auf jeden Fall beherrschen sollte, gehören der Brief- und der Geldkurs. Welchen Betrag ein Käufer bereit ist, für eine Anleihe oder zum Beispiel den US-Dollar zu bezahlen, spiegelt der Geldkurs wider, der auch als Nachfragekurs bezeichnet wird. Auf der anderen Seite steht der Briefkurs, jene Marke, die der Verkäufer setzt und damit festlegt, welchen Kurs er mindestens erzielen möchte. Dementsprechend ist der Briefkurs ein Angebotskurs.

Der Zusammenhang lässt sich sehr einfach mit einem Beispiel aus dem Alltag erklären. Familie Mustermann fliegt in den Urlaub. Ziel ist Kalifornien. Dafür werden Devisen benötigt und bei der Hausbank bestellt. Für die US-Dollar zahlt die Familie den Briefkurs, den die Bank vorgibt. Nach der Reise sind noch ein paar Dollarscheine übrig. Sie sollen bei der Bank zurückgegeben werden. Dort gibt es allerdings nicht den gleichen Betrag, den man vor dem Flug bezahlt hat, sondern lediglich den Geldkurs. Die Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs wird dann als Spread oder auch Geld-Brief-Spanne bezeichnet. Der Mittelkurs ergibt sich, indem das arithmetische Mittel aus Brief- und Geldkurs ermittelt wird.

Dass der Briefkurs immer über dem Geldkurs liegt, ist nachvollziehbar. Schließlich möchte der Verkäufer einen möglichst hohen Preis erzielen, und Käufer sind bestrebt, nicht allzu viel bezahlen zu müssen. Der Spread gilt dann unter anderem als Indikator für die Marktlage, richtet sich allerdings auch nach dem Transaktionsvolumen. Eine große Geld-Brief-Spanne spricht dabei in der Regel für Werte mit einer geringen Liquidität, weil es nur selten zu Verkäufen kommt und nur ein geringes Transaktionsvolumen zu beobachten ist. Das gilt etwa, wenn der Nachfragekurs bei 78 Prozent liegt, der Briefkurs hingegen 80 Prozent beträgt. Die Geld-Brief-Spanne in diesem Fall: zwei Prozentpunkte.