Genussrecht

Genussrechte sind für Firmen ein vergleichsweise einfacher Weg, sich Kapital zu beschaffen. Anleger kaufen das Genussrecht, stellen dem Unternehmen damit Geld – teils auch Sach- oder Dienstleistungen – zur Verfügung und bekommen dafür jährlich Zinsen. Aktuell ist dieses Geschäftsmodell vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien anzutreffen. Anleger sollten sich von den hochtrabenden Versprechen jedoch nicht zu sehr beeindrucken lassen. Denn Genussrechte gehen mit Nachteilen einher, die den höheren Zinssatz begründen.

Einfach betrachtet handelt es sich bei einem Genussrecht um eine Mixtur aus Aktie und Anleihe. Der Käufer des Genussrechts wird zum stillen Teilhaber des Unternehmens, hat im Gegensatz zur Aktie jedoch keinerlei Mitspracherecht. Und anders als bei Anleihen sind die meisten Genussrechte nicht an der Börse handelbar. Das ist nur möglich, wenn das Genussrecht mit einem Genussschein verbrieft wird. Doch selbst in dem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, die Papiere mit Gewinn zu veräußern, verschwindend gering. Man ist in der Regel also an das Papier gebunden. Viel schwerer dürfte wiegen, dass es sich um nachrangiges Fremdkapital handelt. Das bedeutet, dass im Falle einer Insolvenz erst alle anderen Gläubiger bedient werden, ehe die Inhaber von Genussrechten zum Zug kommen.

Das liegt auch daran, dass Genussrechte nicht wirklich auf einer gesetzlichen Grundlage basieren. Sie werden lediglich im Aktiengesetz Paragraf 174 erwähnt und unterliegen ansonsten der Privatautonomie, können also nach Belieben gestaltet werden. Das betrifft unter anderem die Laufzeit und die Verzinsung. Eine Garantie, dass der in den Prospekten genannte Zins gezahlt wird, gibt es nicht. Ausschlaggebend ist die Geschäftsentwicklung, sprich der Gewinn (Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn). Denkbar sind auch variable Zinsen. Aber: Auch Verluste können an die Inhaber der Genussrechte weitergegeben werden, indem das Genussrechtskapital gemindert wird. Geht es wieder bergauf, wird erst der Topf gefüllt, ehe eine Rendite gezahlt wird.

Wer sich für Genussrechte interessiert, ist daher gut beraten, die Bedingungen genauestens zu studieren.