Ich habe desöfteren in der Zeitung von Obligationen gelesen und vermute, dass es sich dabei um Wertpapiere handelt. Stimmt meine Annahme?

Ja das stimmt. Das Wort Obligation ist eine andere Bezeichnung für Anleihe oder Schuldverschreibung. Finanztechnisch handelt es sich also um ein (fest-)verzinsliches Wertpapier. Der Wortstamm, das Lateinische „obligare“, bedeutet „verpflichten“ oder „anbinden“. Übertragen auf das Anlageprodukt heißt das: Der Emittent der Obligation verpflichtet sich gegenüber den Gläubigern – den Käufern des Papiers – eine verbriefte Leistung zu erbringen. In der Regel sind dies die Rückzahlung des Nennbetrags zum Laufzeitende und eine Zinszahlung.

Daraus ergeben sich die wichtigsten Eckdaten von Obligationen: der Nennbetrag, die Laufzeit, die Art der Verzinsung und die laufende Zinszahlung. In puncto Zins haben Emittenten mehrere Möglichkeiten. Sie können einen über die gesamte Laufzeit konstanten Zins gewähren, eine variable Verzinsung vereinbaren – zum Beispiel von Jahr zu Jahr steigende Zinsen – oder Obligationen ohne Nominalverzinsung auf den Markt bringen. In dem Fall spricht man von einer Nullkupon-Anleihe oder einem Abzinsungspapier. Dieses wird unter Nennwert ausgegeben. Den Nominalbetrag erhalten die Käufer zum Ende der Laufzeit ausgezahlt, sodass aus der Differenz von Kaufkurs und Nennwert ein Gewinn resultiert.

Verausgabt werden Obligationen von Gemeinden bzw. der öffentlichen Hand (Kommunalobligationen), Banken (Bankenobligationen) und Unternehmen (Industrieobligationen). Sinn und Zweck ist die Kapitalbeschaffung. Kommunen nutzen Obligationen zum Beispiel, um Schulen und Krankenhäuser zu finanzieren. Dieser Weg ist oft günstiger und einfacher zu beschreiten, als bei der Bank einen Kredit zu beantragen.

Für Anleger sind Obligationen aufgrund der Zinszahlung durchaus interessant. Sie bergen allerdings auch Risiken. An erster Stelle steht das Kreditrisiko, sollte der Emittent während der Laufzeit zahlungsunfähig werden. Hinzu kommen Kursschwankungen. Denn auch Obligationen können an Wert verlieren. Hier gilt: Die 100-prozentige Rückzahlung des Nominalbetrags ist immer nur am Laufzeitende bedingungsgemäß vorgesehen. Vorher ist es denkbar, dass die Obligation niedriger notiert oder günstigstenfalls sogar zulegt. Nur vom Zinssatz sollte man sich jedenfalls nicht blenden lassen. Er richtet sich hauptsächlich nach dem Ausfallrisiko – je höher dieses Risiko, desto besser die Verzinsung – und der Laufzeit – je länger, desto attraktiver.